Back in Town – 5 Tage in Hermagor

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Hermagor Watschig

Über ein halbes Jahr ist es nun schon wieder her, dass ich das letzte Mal in meiner alten Heimat, besser gesagt in dem kleinen Städtchen Hermagor war. Höchste Zeit also, um wieder einmal dort vorbei zu schauen, Freunde und Familie zu besuchen und um ein wenig Landluft zu schnuppern. Es ist schon komisch, dass, obwohl ich nicht mehr zurück nach Kärnten ziehen würde, trotzdem immer wieder solche Tage habe, an denen mich ein starkes Gefühl von Heimweh plagt.

Hermagor Watschig

In letzter Zeit gibt es solche Tage sogar ziemlich oft und ich glaube, es liegt daran, dass dieses Jahr bisher so ganz und gar nicht gut für mich läuft. Die ersten drei Monate in 2017 wurde ich von schweren wöchentlichen Migräne-Anfällen geplagt, danach folgte mein Unicorn Hair Fail, welcher sehr an meinem Selbstbewusstsein nagte und zuletzt wurde auch noch mein Kater Coco schwer krank. Sorgen um Sorgen und eine kleine Identitätskrise bestimmen derzeit meinen Alltag.

Keine Sorgen in Hermagor

Höchste Zeit also, um all die Sorgen hinter mir zu lassen und dahin zurück zu gehen, wo auch nach 10 Jahren immer noch alles beim Alten ist, sich nichts bis nur wenig verändert und wo ich gelernt habe, dass Sorgen genau so dazu gehören, wie die glücklichen und unbeschwerten Tage im Leben. Wichtig ist nur, dass man das Beste aus jeder Situation macht und lernt damit umzugehen.

Ein wenig frische Landluft, ein nettes Beisammensein mit Freunden und Familie oder ein Spaziergang durch den Wald, waren genau die Dinge, die ich brauchte um meinen Kopf wieder frei zu bekommen und um neue Energie zu tanken. Aus meinen anfänglich geplanten zwei bis drei Tagen Heimatbesuch wurden fünf und endlich hatte ich auch die Zeit, mir wieder einmal etwas mehr von Kärnten, als nur Hermagor und Umgebung anzusehen. So kam es, dass ich im Dirndl am Hermagorer Stadtkirchtag war, eine Rutschpartie am Pyramidenkogel erlebte und gemeinsam mit meiner lieben Sandra in zwei Stunden um die Welt spaziert bin.

Tag 1 – Kärntnernudel, Familienbesuch und ein toller erster Tag

Soweit ich mich erinnern kann, kam es noch nie vor, dass mein Bruder und ich gemeinsam und zur gleichen Zeit nach Hermagor gefahren sind – eine Premiere sozusagen. Die ganze Familie vereint in Hermagor, denn mit im Gebäck hatte er zudem seine Freundin und meine Nichte. Gemeinsam machten wir uns am Freitag mitten in der Nacht auf den Weg und bei Sonnenaufgang fuhren wir bei der Hermagorer Ortstafel vorbei. Was für ein perfektes Zeitmanagement. Wer aber denkt, dass ich gleich aus dem Auto gestiegen und Party gemacht habe, der irrt. Zuerst ging es erst einmal ab in Mamas Bett um ein wenig Schlaf nachzuholen.

Drei Stunden später, ausgeschlafen und voller Motivation, aber mit lautem Magenknurren fanden wir uns gegen Mittag im Zeitwirt’s Haus beim Gerry ein. Bei jedem meiner Heimatbesuche kehre ich dort ein um eine Kleinigkeit zu essen und dieses Mal sollte es nicht anders sein. Ich mag die ausgefallene Speisekarte im Zeitwirt’s Haus, das gemütliche Ambiente und die lockere und freundliche Stimmung die dort herrscht. Man fühlt sich einfach wohl und hat zudem einen herrlichen Ausblick auf den Pressegger See. Ich kann euch das Lokal wärmstens empfehlen und für alle, die es interessiert, ich habe natürlich die Kärntner Nudel gegessen! So schmeckt Heimat.

Nächster Stop – Watschig. Mamas Freund kommt von dort. Watschig ist eine kleine Ortschaft mit wenigen Häusern und liegt zwischen Hermagor und dem Nassfeld. Zuerst gehen wir, wie immer, eine Runde durchs Haus. Dann zeigt mir meine Mama ihren Gemüsegarten, auf den sie übrigens sehr stolz sein kann und dann gehen wir eine Runde durch den Ort spazieren. Es ist immer das gleiche Schema und gehört mittlerweile schon zur Routine bei meinen Besuchen in der Heimat.

Ganz neu, und eine super Idee wie ich finde, sind übrigens die Ferienhäuser bzw. Charlets in Watschig, welche in den nächsten Tagen eröffnen. Wir durften, obwohl noch nicht alles fertig war einen kleinen Rundgang um diese wunderschöne hölzerne Anlage machen und kamen aus dem Staunen kaum heraus. Der Duft nach frischem Holz, kein Lärm, außer beruhigendes Vogelgezwitscher und das Plätschern des Wassers aus dem Biotop machen diese Anlage im Grünen zu etwas ganz besonderem. Man merkt wie viel Liebe und Arbeit in dieses Projekt gesteckt wurde und ganz ehrlich, hätte ich das nötige Kleingeld, würde ich mir eines dieser Ferienhäuser sofort und auf immer mieten.

Charlet Watschig Waroes

Mit diesen wunderschönen Eindrücken und der Einsicht, dass hier in Watschig etwas großartiges entstanden ist ging es auch schon weiter zu unserem nächsten Stop ins Naturschwimmbad Radnig und zu meiner Tante. Eine richtige Wohlfühloase hat sie dort aufgebaut. Versteckt hinter einem kleinen Hügel, umringt vom Wald und meinen geliebten Kärntner Bergen kann man dort dem Alltagsstress entfliehen und die Natur in vollen Zügen genießen.

Naturschwimmbad Radnig Hermagor

Hier habe ich in meiner Kindheit so viele wunderschöne und unbezahlbare Sommertage verbracht, schwimmen gelernt und sogar einmal gearbeitet, bevor ich nach Wien ausgewandert bin. Wenn ihr einmal Urlaub in Kärnten macht und gerade in Hermagor seid, schaut unbedingt auch einen Sprung bei meiner Tante im Naturschwimmbad Radnig vorbei, ihr werdet es nicht bereuen.

Tag 2 – Katerstimmung und Hotel Mama

Es kam wie es kommen musste. Am Freitagabend ging es noch durch einige Lokale in Hermagor und natürlich blieb der beliebte Spritzer nicht aus. Ich vertrage keinen Alkohol mehr und weiß das auch, trotzdem schaffe ich es jedes Mal aufs Neue in Kärnten diesen einen Schluck zuviel zu erwischen, der mich am nächsten Tag leiden lässt. Mit Kreislaufproblemen lag ich also den gesamten Samstag über daheim in Mamas Bett, schaute mir ein paar alte Folgen Suits auf Netflix an und genoss es ehrlich gesagt sogar sehr, von Mama bedient zu werden. Am Abend kochte sie sogar noch gebackene Zucchini aus dem eigenen Garten für mich. Herz was willst du mehr? Bis auf ein wenig Katerstimmung war es doch ein gelungener, wenn auch etwas ruhigerer Tag in der Heimat.

Tag 3 – Im Dirndl am Hermagorer Stadtkirchtag

Wieder fit und gut gelaunt ging es gleich am Sonntagmorgen zu einer meiner ältesten und liebsten Freundinnen aus Hermagor. Endlich konnte ich mir einmal ihren kleinen Bauernhof und ihre Alpakas, von denen sie schon so viel erzählt hatte aus der Nähe ansehen. Seht euch einmal diesen tollen Ausblick auf Hermagor und den Pressegger See an, den die liebe Dani jeden Tag aufs Neue genießen kann. Einfach wunderschön.

Hermagor Gailtal Pressegger See

Zu Mittag ging es dann weiter auf den Hermagorer Stadtkirchtag. Natürlich im Dirndl, wie es sich als Kärntner Madl gehört. Ich habe in meiner Jugend bei fast jeder Veranstaltung für die Hermagorer Feuerwehr als Kellnerin gearbeitet und kann mich noch sehr gut erinnern, wie belebt die Stadt damals war. An diese Zeit von damals erinnert heute nicht mehr sehr viel und das feste Treiben, sowie die gute alte Kirchtagsstimmung, blieben aus.

Hermagor Dirndl Kirchtag

Es macht mich immer ein wenig traurig und nachdenklich, wenn man merkt, wie wenig nur noch in Hermagor los ist und dass so viele Einwohner das Nest verlassen. Andererseits kann es niemand besser verstehen als ich, schließlich bin ich ja selbst eine Auswanderin, die Hermagor den Rücken zugewandt hat (mehr dazu hier: Hermagor – Do bin i her und warum ich nicht mehr zurück möchte).

Egger Alm Kärnten Hermagor

Den Spaß am Hermagorer Kirchtag ließen wir uns dennoch nicht nehmen und nach ein paar Stunden ging es auch schon weiter im Programm und auf die Egger Alm, wo wir uns eine Brettljause und ein Glas Buttermilch gönnten. Es gibt einfach keinen besseren Käse, als den Kärntner Almkas, welcher uns so motivierte, dass wir danach noch eine kleine Wandertour rund um den Egger-Alm-See hinlegten.

Egger Alm

Tag 4 – Als Tourist rund um den Wörthersee

Den Montag habe ich genutzt um meine liebe Sandra bei ihr Zuhause in Velden zu besuchen. Gemeinsam hatten wir uns ein tolles Programm voller Touristenattraktionen rund um den Wörthersee zusammen gestellt. Trotz extremer Hitze hatten wir richtig viel Spaß und eine tolle Zeit.

Innerhalb von zwei Stunden spazierten wir einmal an allen wichtigen Sehenswürdigkeiten aus der ganzen Welt vorbei. Vom Pariser Eiffelturm, über den Hollywood Schriftzug bis hin zur Chinesischen Mauer ging unser Rundgang im Miniaturpark Minimundus bei Klagenfurt. Fazit, obwohl ich schon mehrmals in Minimundus war, wird es dort nie langweilig und die detailgetreuen Nachbauten faszinieren mich auch heute noch.

Minimundus Klagenfurt Kärnten

Die nächste Sehenswürdigkeit auf unserer Liste, den Pyramidenkogel, kannte ich bisher nur vom Hörensagen. Ich war schon sehr neugierig auf den Ausblick am Sendeturm, den man dort in 851 Meter über den gesamten Wörthersee und von Velden bis nach Klagenfurt hat. Ein Besuch am Pyramidenkogel lohnt sich definitiv und wenn ihr auch so mutig und abenteuerlustig seid wie ich, investiert ihr am besten noch vier Euro in eine 120 Meter lange und zirka 25 Sekunden dauernde Rutschpartie. Die höchste überdachte Rutsche in Kontinentaleuropa sollte man sich nicht entgehen lassen.

Pyramidenkogel Kärnten Sehenswürdigkeit

Im Tierpark Rosegg wartete auch schon das nächste Highlight auf uns. Hier kann man Bambi ganz nahe kommen und es frisst einem sogar aus der Hand. Vor etwas 10 Jahren war ich das letzte Mal dort und trotzdem hat dieser Ort immer noch etwas magisches an sich. Neben einem Streichelzoo für die Kleinen findet man dort auch Kängurus, amerikanische Bisons und Luchse.

Ausklingen haben wir diesen erlebnisreichen Tag bei Pizza und Spaghetti con Vongole im Restaurant Aqua direkt in Velden lassen. Leckeres Essen, nette Gesellschaft und ein gespritzter Hugo waren nach diesem Tag genau das richtige.

Tierpark Rosegg

Tag 5 – Ein Besuch beim Gailtalbauer in Kirchbach

Bevor es wieder zurück nach Wien ging, beschlossen wir uns den modernsten Schaubauernhof Österreichs anzusehen – den Gailtalbauer in Kirchbach. Für dieses Projekt haben sich mehrere Gailtaler Landwirte zusammen getan um bäuerliche Traditionen in einer modernen und lebensfähigen Landwirtschaft zu vereinen. Das Konzept einer nachhaltigen Tierhaltung sowie Lebensmittelproduktion ging auf und hat sich sogar bis nach Wien herum gesprochen.

Da ich selbst auch irgendwie am Bauernhof groß geworden bin, mich immer sehr für Landwirtschaft und natürlich die Tiere interessiert habe, nahm ich, wenn ich schon einmal da bin, auch gleich an einer sehr interessanten Hof-Führung teil. Selbst, wenn alles auf den ersten Blick perfekt und gut umgesetzt zu sein schien, so sind mir doch ein paar Dinge aufgefallen, die noch etwas besser sein könnten.

Während die Kühe einen großen Innenstall, sowie die Möglichkeit haben, jederzeit nach draußen zu gehen, fehlte mir das bei den Schweinen. Hier wäre ein kleines Außengehege noch angebracht, wo sich die Schweine im Dreck wälzen oder in der Wiese liegen können. Auch das Einstreu fehlte leider und teilweise lagen deswegen ein paar der Tiere in ihrem eigenen Dreck.

Was ich mir zudem noch für die Zukunft und nicht nur für diesen Hof, sondern für alle Bauernhöfe wünschen würde wäre eine Lösung, damit die Kälber nach der Geburt bei den Mutterkühen bleiben dürften. Natürlich kann ich die Beweggründe nachvollziehen, aber dennoch bricht es mir das Herz, wenn man Mutter und Kind trennt und das Kalb mit eineinhalb Tagen alleine in einer kleinen Box steht. Müsste sich nicht gerade in der heutigen Zeit und im Jahre 2017 auch für dieses Problem eine Lösung finden lassen?

Ansonsten muss ich sagen, dass Konzept, der Hof und der ganze Betrieb haben mich sehr angesprochen und es zeigt, dass diese Art des Zusammenschlusses nicht nur ein weiterer Pluspunkt für die Region ist, sondern auch den richtigen Weg für die Zukunft eingeschlagen hat. Auf diesem Weg wünsche ich dem Gailtalbauer und allen seinen Mitarbeitern weiterhin viel Erfolg und alles Gute für die Zukunft. Auf dass sich viele andere Landwirte ein Beispiel an euch nehmen!

5 Tage in Hermagor sind mehr als genug – für mich

Nach fünf Tagen in Hermagor war ich dann aber doch richtig froh, als wir endlich ins Auto gestiegen und wieder zurück nach Wien gefahren sind. Obwohl ich eine ganz tolle Zeit hatte, viele liebe Menschen wieder getroffen und noch mehr erlebt habe, ist Wien meine neue Heimat und mein jetziges Zuhause. Die alte Heimat und alles was ich in Hermagor als Kind und bis zu meinem 18. Lebensjahr erlebt habe, wird mir nie jemand nehmen können. Dennoch und zum jetzigen Zeitpunkt kann ich mir eine Rückkehr jedoch auch weiterhin nicht vorstellen. Aber wer weiß, was die Zukunft für mich geplant hat und offen hält.

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9 Comments
  • Menna

    Antworten

    Ich kannte Hermagor, als ich in der 4. Klasse mit meiner und der Nebenklasse in Pressegger See auf Sommersportwoche waren. Die Zumbastunden werden mir fehlen. 😍 Und die Minivideos sind einfach lieb! 🙈

    Bussi ,
    Menna 😘

  • Martina

    Antworten

    Hallo Iris,
    ein ganz toller Beitrag. Manchmal muss man zur Entschleunigung „in die Heimat“, das tut uns so gut. Die Bilder gefallen mir ausgesprochen gut – vor allem das Foto von Dir im Dirndl. Ich bin Dirndl-Liebhaberin und freue mich immer eine hübsche Frau im Dirndl zu sehen.
    Schöner Beitrag! Beste Grüße xx Martina

  • Denise

    Antworten

    Kärnten ist so ein schönes Bundesland aber Hermagor kenne ich doch tatsächlich nur als letzten Ort bevor ich endlich im Sommer-Urlaubsland ankomme.
    Die Wurzeln kann einem niemand nehmen aber Heimat ist eben genau das wo man sichvgerade wohl fühlt!

    Viele Grüße
    Denise von
    http://www.lovefashionandlife.at

  • Nicole

    Antworten

    Das Dirndl sieht ja allerliebst an dir aus 😉
    Und die Kulisse ist so Traumhaft, da würde es mir sichtlich schwer fallen, wieder Nachhause zu fahren. Einen schönen Einblick aus deiner Sicht. Niedliche Bilder.

    Alles liebe

  • Karolina

    Antworten

    Liebe Iris, es hört sich nach der perfekten Auszeit an. Ich war noch nie in Kärnten und als ich den Titel zuerst las musste ich sofort an Harry Potter denken, weil ich nie gedacht hätte, dass es Hermagor wirklich gibt hehe
    Ps: in dem Dirndl siehst du zauberhaft aus <3
    Glg Karo

  • Avaganza

    Antworten

    Liebe Iris,

    eine kleine Auszeit zu Hause klingt toll <3! Ich kenne das, was du beschreibst. So geht es mir wenn ich ins tiefste Waldviertel nach Litschau fahre, wo meine Wurzeln liegen. Es ist wie eine Reise in die Vergangenheit, wo die Zeit stehen geblieben ist. Ich genieße die Zeit in der Natur und die Erinnerungen … aber bin dann froh wenn ich wieder ins Auto steige und nach Hause fahre ;-).

    Liebe Grüße und schönen Nachmittag!
    Verena

  • Tabea

    Antworten

    So eine kleine Auszeit, vor allem in einer vertrauten Umgebung mit Menschen die man gern hat, kann wirklich so viel Kraft geben.
    Sieht so aus, aus wenn Du Deinen „Ausflug“ in die Heimat sehr genossen hast 🙂

    Liebe Grüße,

    Tabea

  • Rena

    Antworten

    Das sieht ganz so aus, als wenn Du in diesen 5 Tagen in Deiner alten Heimat wirklich Kraft schöpfen konntest und ich wünsche Dir von ganzem Herzen, dass es nun wieder besser läuft für Dich. Schöne Fotos, danke!
    xx Rena

    • Iris

      Auf jeden Fall! Vielen Dank liebe Rena 😘

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