Neuritis vestibularis – wenn sich plötzlich alles dreht

Neuritis vestibularis

Seit drei Wochen leide ich nun schon unter dauerhaftem Drehschwindel, besser gesagt an Neuritis vestibularis und versuche mit aller Kraft wieder in einen geregelten Alltag zurück zu finden. Schwindel, echt jetzt? Eine Diagnose, die ich zugegebenermaßen bisher immer nur belächelt habe. Schließlich ist uns allen manchmal schwindelig. Zum Beispiel, wenn wir rasch aufstehen, uns zu schnell im Kreis drehen, zu wenig trinken oder wenn der Kreislauf etwas angeschlagen ist, nicht wahr?

Aber was ist eigentlich eine Neuritis vestibularis und kann Schwindel tatsächlich auch etwas akutes sein? So akut, dass man deswegen sogar freiwillig mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus fährt? Und wie geht es mir eigentlich aktuell damit? Das alles und noch ein wenig mehr möchte ich dir heute in diesem Blogbeitrag erzählen.

Denn eines kann ich dir vorab schon sagen, mein Körper belehrt mich bezüglich des Schwindels gerade eines Besseren und noch nie habe ich mich so schwach und hilflos gefühlt wie in den letzten Tagen und Wochen. Beinahe so, als hätte ich eine Dauer-Freifahrkarte für den Prater, wo ich eine Runde nach der anderen mit der Achterbahn fahre.

Alles dreht sich bei mir einfach nur noch rasend schnell wie im Karussell und oftmals kann ich nicht mal mehr erkennen wo oben und unten ist. Wackelige Beine, Kreislaufprobleme und diese unsagbare Hilflosigkeit macht sich bei mir breit. Ich bin sozusagen machtlos, wurde ausgeknockt, sprichwörtlich ins KO geprügelt, schlucke mehrere Medikamente täglich und warte sehnsüchtig darauf, dass der Schwindel besser wird.

Der Anfall – wenn sich plötzlich alles dreht

Es war ein ganz normaler Tag. Ich bin aufgewacht, hab mich fertig gemacht und ging zur Arbeit. Als ich am Abend, müde wie immer, wieder heim kam, habe ich mir noch ein paar Brote geschmiert und mich dann damit auf die Couch geknotzt. Voller Vorfreude, dass am nächsten Tag ein Feiertag (1. Mai) war und in dem Wissen, dass ich Ausschlafen konnte, hab ich mir an diesem Abend noch „A Star Is Born“ mit Lady Gaga angesehen. Ahhh, was für ein toller Film und so traurig zugleich. Der Oscar ist hier definitiv mehr als verdient.

Jedenfalls gerade als Jackson Maine, gespielt von dem äußerst talentierten Bradley Cooper sich das Leben nimmt (übrigens einer der traurigsten Stellen in diesem Film) begann sich bei mir ganz plötzlich und ohne Vorahnung alles zu drehen. Obwohl ich ganz ruhig und eingekuschelt auf der Couch lag, war der Schwindel von einer Sekunde auf die andere kaum noch erträglich. In dem Glauben, dass sich einfach nur ein Migräneanfall ankündigte, habe ich alle Kraft zusammen genommen und bin irgendwie ins Bett gekrochen um die Symptome wegzuschlafen. So wie ich es meistens mache, wenn es mir nicht gut geht. Schlafen ist in den meisten Fällen einfach die beste Medizin, findest du nicht auch?

In diesem Fall jedoch nicht. Bei jeder Drehung die ich im Bett gemacht habe wurde der Schwindel nur noch schlimmer und selbst in absoluter Ruheposition war es bald kaum noch auszuhalten. Dennoch habe ich mit aller Kraft versucht durchzuhalten und irgendwie ein wenig Schlaf zu finden. Erst am Morgen, als dann auch noch Übelkeit und Erbrechen hinzu kamen, war mir bewusst, dass es dieses Mal kein Migräneanfall war, sondern etwas Schlimmeres.

In meinem Kopf machte sich ein ganz dumpfes Gefühl breit, meine Augen konnte ich kaum noch offen halten, weil ich durch den Schwindel Oben nicht mehr von Unten auseinander halten konnte. Schlussendlich war es mir unmöglich geworden, mich ohne fremde Hilfe, selbst auf den Beinen zu halten. Mit dem Verdacht auf einen Schlaganfall oder einer Hirnblutung und voller Panik habe ich dann meinen Freund gebeten die Rettung zu rufen.

Neuritis vestibularis

In der Notfall-Ambulanz

So schnell die Rettung da war, so lange hat es dafür im Krankenhaus gedauert. Sechs unendlich lange Stunden habe ich an diesem Tag in der Notfall-Ambulanz verbracht. Mal Liegend am Bett und manchmal, wie man schön am Foto erkennen kann, zusammengerollt mit Spuckschüssel am Boden. Danke übrigens nochmals an den Fotografen, der diese Szene meines Elends für mich eingefangen hat. Tja, auch im Krankenhaus und in einer Akutsituation bin ich noch aus vollem Herzen Blogger!

Wegen des Feiertags waren die Ärzte im Kaiser-Franz-Josef-Krankenhaus unterbesetzt und zusätzlich waren an diesem Tag auch nicht alle Untersuchungen möglich, die ich für eine genaue Diagnose brauchte. Wie oft ich während dieser langen Wartezeit gebrochen habe, weiß ich gar nicht mehr. Aber ohne Spuckschüssel ging es keine Minute mehr! Ich wurde hin und her geschickt, HNO-Neuro-HNO. Und ich wurde geschüttelt, immer und immer wieder.

Der eine Arzt hat einen Nystagmus bei mir festgestellt, der andere wieder nicht. Keiner wusste so recht, was er mit mir anfangen sollte. Bis dann schlussendlich auf der neurologischen Ambulanz ein Insult ausgeschlossen werden konnte und ich endlich mit dem Verdacht auf eine Neuritis vestibularis, also eine Entzündung des Gleichgewichtsorgans stationär aufgenommen wurde.

Ihr glaubt gar nicht, wie froh ich war, als ich endlich eine Infusion angehängt bekam. Mein Arzt nannte diese Infusion Wurschtigkeits-Infusion, da es eine Cortisonlösung war, die meinem Körper schnell einreden sollte, dass alles in Ordnung sei. Zusätzlich bekam ich noch einige Elektrolyte, einen Magenschutz und etwas gegen die Schmerzen. Letzteres war übrigens Paspertin und als könnte dieser Tag nicht noch schlimmer werden, habe ich gleich einmal allergisch darauf reagiert. Meine erste Allergie, juhuuuu!

Binnen weniger Sekunden haben sich meine Blutgefäße angefühlt, als würden Flammen durch sie hindurch schießen und meine Finger haben sich derart verkrampft, so dass ich sie aus eigener Kraft nicht wieder auseinander geben konnte. Ganz verkrüppelt hab ich es noch irgendwie geschafft die Infusion abzudrehen um in voller Panik den roten Notfallknopf zu drücken.

Was für ein Tag! Das Paspertin wurde mir sofort abgehängt und durch die Wurschtigkeits-Infusion ersetzt. Und tatsächlich, nach wenigen Minuten fühlte ich mich wieder richtig gut, der Schwindel hat sich gebessert und nach all dieser Aufregung brauchte ich erstmal ein kleines Nickerchen.

Neuritis vestibularis

Die Diagnose und warum ich mich selbst aus dem Krankenhaus entlassen habe

Die Nacht über im Krankenhaus bin ich immer wieder aufgewacht und auch der Schwindel brauchte nicht lange um wieder zurück zu kommen. Statt eines Frühstücks verlangte ich gleich am Morgen schon nach einer neuen Spuckschüssel und der Horror begann von vorne. Die Fahrt im Karussell ging weiter, während ich bei einem Hörtest und einem Videobasierten Kopfimpulstest (vKIT) versucht habe, so gut wie möglich mitzumachen.

Nach diesen Tests wurde die Verdachtsdiagnose einer Neuritis vestibularis nun auch endlich bestätigt. Und selbst, wenn man nicht genau sagen kann, was diese Entzündung meines Gleichgewichtsorgans ausgelöst hat, so glauben die Ärzte, dass ich mich nach einer doch etwas stärkeren Erkältung, die ich aus meinem Lissabon-Urlaub mitgebracht habe, nicht gut genug auskuriert habe, was leider stimmt! Ach Lissabon!

Da hatte ich jetzt also meine Diagnose und hing bereits an der nächsten Cortison-Infusion. Aber was nun? Da ich von dieser Erkrankung bis dato noch nie etwas gehört hatte, habe ich natürlich sofort versucht mit so vielen Ärzten wie möglich zu sprechen, Meinungen einzuholen und natürlich auch Google gefragt. Schnell wurde mir klar, helfen kann mir in diesem Fall nur ich selber und natürlich ein wenig Medizin zur Linderung der Symptome.

Trotz ärztlicher Empfehlung und dem Anraten noch ein paar Tage im Krankenhaus zu bleiben, habe ich am Abend den Revers unterschrieben und bin nach Hause gefahren. Bei einer Neuritis vestibularis ist nämlich vor allem eines wichtig um schnellstmöglich wieder fit zu werden – Bettruhe und Training durch tägliche Gleichgewichtsübungen.

Und da ich einfach eine sehr schlechte Patientin mit einem ausgeprägten Sturkopf bin, war mir sofort klar, dass ich das am ehesten in meinen eigenen vier Wänden schaffen werde und nicht durch das Rumliegen im Krankenhaus. Vor allem aber, weil ich mich in einer fremder Umgebung einfach nicht wohl fühle.

So lebe ich seither mit der Diagnose Neuritis vestibularis

Seit dem ersten Tag und das ist nun mittlerweile schon drei Wochen her, mache ich täglich Übungen um meinen Gleichgewichtssinn wiederherzustellen. Ich versuche mit einem Bein auf einem Polster zu stehen, bewege meinen Kopf in schnellen Bewegungen von Links nach Rechts oder von oben nach unten, laufe am Stand oder durch die Wohnung und ja, auch die alltäglichen Haushalts-Arbeiten wie Geschirrspüler einräumen, Staubsaugen und Duschen sind gute Übungen um das Gleichgewicht zu halten. Am aller besten, so empfinde ich es zumindest, helfen mir aber die kleinen Yoga-Einheiten, welche ich mittlerweile für ein paar Minuten pro Tag mache.

Was aber alle diese Übungen gemeinsam haben, ist eines: Sie sind in meiner aktuellen Situation wirklich sehr mühsam und kosten mich enorm viel Kraft. Auch die kleine Ausfahrt am Wochenende mit meinem Freund hat mir gezeigt, dass es bestimmt noch etwas dauern wird, bis ich wieder ganz fit bin. Spätestens nach einer Stunde vor der Haustür und den vielen Eindrücken und Bewegungen braucht mein Körper eine Pause.

Das links und rechts Schauen beim Gang über die Straße, rasche Bewegungen und Körperdrehungen, vorbeifahrende Autos, entgegenkommende Fußgeher oder wenn ich zwei Dinge auf einmal machen muss, seien sie noch so einfach, sind aktuell noch zuviel für mich. Selbst, wenn sich mein Schwindel mittlerweile schon sehr stark gebessert hat, schwanke ich doch noch sehr oft wie eine Betrunkene hin und her und die Sturzgefahr ist auch weiterhin noch sehr erhöht.

Aber ich merke mittlerweile täglich eine leichte Besserung meiner Symptome und auch die Medikamente (Aprednislon, Betahistin,  Vertirosan und Pantoloc), die ich ja zugegeben nur sehr ungern einnehme, helfen mir meinen Schwindel unter Kontrolle zu bekommen. Einzige Nebenwirkung, ich habe in den letzten drei Wochen durch den Mangel an Bewegung und wahrscheinlich wegen dem Cortison an die acht Kilogramm zugenommen. Vor allem mein Gesicht ist richtig rund geworden und schön langsam fühle ich mich wie ein Luftballon der zu fest aufgeblasen wurde und kurz vor dem Platzen ist.

Dennoch, ich bin überzeugt davon, dass ich schon ganz bald wieder die Alte bin. Selbst wenn die Ärzte im Krankenhaus von Wochen oder sogar Monaten gesprochen habe, bis die Symptome komplett verschwunden sind. In zwei Tagen habe ich einen neuerlichen Termin bei meinem HNO Arzt, der mir dann hoffentlich auch bestätigt, dass es mit meiner Genesung bergauf geht und mir dann auch endlich das gehasste Cortison absetzt.

Denn eines kann ich euch sagen, krank sein ist doof und nur Zuhause rumliegen ist trotz Netflix und Co ab einem bestimmten Zeitpunkt einfach nur noch fad. Außerdem macht sich mein Freiheitsdrang schon sehr stark bemerkbar und auf meine sommerlichen Wandertouren und bevorstehenden Abenteuer verzichte ich ebenfalls nur sehr ungern. Es ist also höchste Zeit um wieder gesund zu werden und deswegen mach ich jetzt auch gleich wieder ein paar Übungen!

Kampf dem Schwindel – Ein Update folgt in kürze!

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Laura jenewein

Hallo Iris danke für deinen Beitrag. Ich liege gerade mit akuter neuritis vestibularis im Bett und an aufstehen ist noch lange nicht zu denken. Wie geht es dir mittlerweile? Weißt du noch wie lange deine schlimmsten Symptome waren? Ein Wahnsinn was der Körper alles produzieren kann. Hätte mir nie gedacht dass es so etwas gibt..

Susanne

Huch, das habe ich erst jetzt gelesen!! HOffentlich geht es dir schon bedeutend besser liebe Iris. Auf jeden Fall wünsche ich dir alles Gute für deine Genesung. Susanne

Marion

Hallo liebe Iris! Ich wünsche dir gute Besserung und hoffe das es dir schon wesentlich besser geht!

Hoffe du bist bald wieder fit und gesund. Alles Gute! lg Marion

Marcel

Alles Gute liebe Iris! Vielen Dank für den Bericht.
Cortison kann Verformungen bewirken: ja. Also hoffentlich kommst Du bald davon weg. Alles Liebe und Gute 🍀❤️🌺✨