Kärntner Reindling – Tradition schmeckt auch vegan

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veganer Kärntner Reindling

Ostern ohne einen Kärntner Reindling? Niemals! Ich bin, wie du ja bereits weißt, in Hermagor (Kärnten) aufgewachsen und dort wird Ostern bis heute noch richtig traditionell im Kreise der Familie gefeiert. Am Karsamstag geht man gemeinsam in die Kirche, um den vollgefüllten Osterkorb weihen zu lassen und danach wird die Fastenzeit mit einem richtigen Festschmaus beendet und gemampft bis selbst das letzte Stück des beliebten Kärntner Reindling verputzt wurde.

veganer Kärntner Reindling

Seit 10 Jahren, um genauer zu sein, seitdem ich in Wien lebe und auch, seitdem ich kein Fleisch mehr esse, feiere ich kein traditionelles Osterfest mehr. Hin und wieder wird vielleicht noch ein Osternest versteckt, oder so wie in meinem letzten Beitrag – Geschenktüten für Ostern – gebastelt. Und natürlich freue ich mich auch über einen zusätzlichen Feiertag, an dem ich nicht arbeiten gehen muss. Mehr passiert allerdings selten.

Worauf ich zu Ostern aber nie verzichten kann, ist der traditionell gebackene Kärntner Reindling. Diesen findet man mittlerweile schon auf allen Ostermärkten und auch in jedem Supermarkt in ganz Wien. Meist ist er jedoch extrem überteuert und schmeckt so gar nicht nach Mamas Original.

Höchste Zeit also, um selbst einmal einen Kärntner Reindling zu backen. So schwer kann das ja nicht sein, oder doch? Zumindest wenn man einigen Kommentaren und Berichten im Internet glauben schenken darf, hat so mancher ein Problem bei der Herstellung. Und die allermeisten scheitern an der Zubereitung des Germteigs.

Ich habe den Schwierigkeitsgrad sogar noch etwas erhöht und den traditionellen Kärntner Reindling in einer veganen Variante zubereitet. Du musst jetzt aber überhaupt keine Angst haben, denn dieses Rezept ist nicht nur einfach und mit wenig Zutaten zubereitet, es gelingt auch auf Anhieb und der Reindling schmeckt einfach köstlich.

Hierfür gibt es wie immer mein SPRINZEMINZE EHRENWORT!

veganer Kärntner Reindling

So habe ich Ostern in Kärnten gefeiert

Bevor ich dir jedoch mein Rezept für einen veganen Kärntner Reindling anvertraue, möchte ich dir noch ein wenig über die Ostertraditionen in Kärnten erzählen und auch, wie ich als Kind das Osterfest erlebt habe. Ostern war immer eine ganz besondere Zeit. Nicht nur, weil am Ostersonntag der Osterhase durch die Gärten gehoppelt ist um dort unsere Osternester zu verstecken. Nein. Ostern war vor allem ein traditionelles Fest im Kreise der Familie. Es wurde gemeinsam gebastelt, gekocht und gefeiert.

Den Beginn der Osterwoche macht der Palmsonntag. An diesem Tag werden in allen Kärntner Pfarren die Palmzweige gesegnet. Meistens findet diese Segnung im Freien statt und die geweihten Zweige sollen angeblich das Unheil vom Haus abwenden. Richtig religiös war ich jedoch nie, obwohl ich sogar einmal Ministrantin war. Na, wer hätte das gedacht?

Dennoch bin ich an diesem Sonntag immer gerne früh aufgestanden und mit meiner Familie in die Kirche gegangen. Immerhin hatte mir meine Mama speziell für diesen Tag einen wunderschönen und großen Palmzweig gebunden. Verziert mit Maschen, Eiern und weil meine Mama einfach die Beste ist, hatte sie natürlich noch ganz viele meiner liebsten Süßigkeiten daran gehängt, die ich nach der Weihe natürlich immer sofort verputzt hatte.

Bis zum Gründonnerstag, an dem wir traditionell Spinat mit Röstkartoffel und Spiegelei aßen, haben wir Kinder unsere Osterferien vor allem im Freien verbracht. Der Schnee schmolz langsam dahin und endlich wurde es auch wieder etwas wärmer. Ja wir Kinder vom Land brauchten damals weder Fernsehen noch Computerspiele in den Ferien um Spaß zu haben. Wir konnten uns noch gut selbst beschäftigen, waren viel auf der frischen Luft und liebten es zu basteln.

Zusätzlich zogen wir Kinder von Gründonnerstag bis Karfreitag mit unseren Ratschen durch die Ortschaft und machten dabei jede Menge Lärm. Diese Tradition entstand, da nach der Abendmesse am Gründonnerstag, in welcher man „Das letzte Abendmahl“ zeremoniell darstellt, die Kirchenglocken für drei Tage verstummen. Uns Kindern hat man dann immer erzählt, dass zu dieser Zeit die Kirchenglocken nach Rom fliegen.

Jaja, wer’s glaubt! Also mussten wir das Kirchengeläute mit unseren Ratschen ersetzen. Zudem trugen wir unterwegs noch die davor auswendig gelernten Sprüche den Leuten auf der Straße vor. Und dies taten wir eine Zeit lang auch richtig gerne, denn manchmal gab es als Belohnung sogar ein paar Groschen und Schillinge für uns.

Am Karfreitag versammelte sich die ganze Familie in der Küche um zu kochen, die letzten Eier zu färben und natürlich den Kärntner Reindling zu backen. Jedoch war es gar nicht so einfach bei den vielen leckeren Gerüchen nach Schinken und Geselchtem am strengsten religiösen Fastentag standhaft zu bleiben. Aber schon am nächsten Tag sollte die Fastenzeit ihr Ende finden.

Karsamstag. Die letzten Vorbereitungen für die große Osterjause werden getroffen. Der traditionelle Osterkorb für die Fleischweihe wird mit dem Kärntner Reindling, Geselchtem, Schinken, frischen Kren, bunten Eiern und Würsten gefüllt und mit einer schön bestickten Weihkorbdecke zur Segnung in die Kirche gebracht. Das Knurren der hungrigen Mägen ist an diesem Tag in der Kirche meist lauter zu hören, als der Oster-Gottesdienst des Pfarrers. Alle hatten Hunger und nach der Kirche machte man sich auf den schnellst möglichen Weg nach Hause um endlich die langersehnte Osterjause und natürlich den Kärntner Reindling zu verspeisen.

Im Kreise der Familie wurde gelacht, gespeist, Ostereier gepeckt und für einige Zeit haben wir Kinder sogar ganz unsere Nervosität vor dem morgigen Ostersonntag und den Osternestern vergessen. Aber wirklich nur ganz kurz.

veganer Kärntner Reindling

Das Rezept für einen veganen Kärntner Reindling

Vorbereitungszeit: ca. 2,5 Stunden, Backzeit 50-60 Minuten

Zutaten für den Teig:

  • 3 Packungen Germ/Trockenhefe
  • 500g Weizenmehl
  • eine Prise Salz
  • 250ml Sojamilch
  • 80g vegane Butter (zB von Alsan)
  • 70g Staubzucker

Zutaten für die Fülle:

  • 50g vegane Butter
  • 3 EL Zimt
  • 50g Zucker
  • 120g Rosinen
  • bei Bedarf etwas Rum

Außerdem brauchst du noch eine runde Kuchen- bzw. eine Gugelhupfform und einen Teigroller.

veganer Kärntner Reindling

Und so einfach geht’s

1. Zuerst bereitest du den Germteig zu. Dafür wird das Mehl mit dem Salz in einer großen Schüssel vermischt. Und dann in der Mitte eine kleine Mulde in das Mehl geformt.

2. In die Mulde gibst du nun Zucker und Trockenhefe, sowie zirka 100ml leicht angewärmte Sojamilch.

3. Ohne Umrühren lässt du den Teig nun für etwa 10-15 Minuten so ruhen.

4. In der Zwischenzeit kannst du schon die Butter erhitzen. Diese kommt dann mit der restlichen Sojamilch zum Teig, welchen du nun ordentlich durchkneten musst. Ich habe den Teig mit den Händen geknetet, du kannst aber auch eine Teigmaschine oder einen Mixer mit Knethacken nehmen, wenn du dir dabei leichter tust.

5. Den fertig gekneteten Teig belässt du in der Schüssel. Diese deckst du mit einem Tuch ab und stellst sie für etwa 1-2 Stunden an einen warmen Ort.

veganer Kärntner Reindling

6. Warte bis der Teig zirka die doppelte Größe bekommen hat und bereite in der Zwischenzeit die Fülle zu.

7. Damit meine Fülle ganz besonders lecker und saftig wird, habe ich die Rosinen großzügig mit Rum beträufelt. Wenn jedoch auch Kinder diesen Reindling essen, solltest du den Alkohol lieber weglassen!

8. Vermische in einer Schüssel Rosinen, Zimt und Zucker (bei mir ist es eine Mischung aus braunem Zucker, Vanillezucker und Kokosblütenzucker) miteinander.

veganer Kärntner Reindling

9. Der Germteig sollte mittlerweile aufgegangen sein. Knete den Teig nun nochmals ordentlich durch und Rolle ihn mit einem Teigroller etwa 1 cm dick zu einem Rechteck aus.

10. Bestreiche den Teig nun mit der restlichen flüssigen Butter und verteile deine Füllung großzügig darauf.

veganer Kärntner Reindling

11. Von der langen Seite aus beginnst du nun den Teig fest einzurollen und gibst diesen dann in eine gefettete Kuchen- bzw. Gugelhupfform.

veganer Kärntner Reindling

12. Stelle dein Backrohr auf 160 Grad Umluft ein und lasse es warm werden, während du den Teig nochmals für zirka 10-15 Minuten in der Form gehen lässt.

13. Jetzt darf dein selbst gemachter Kärntner Reindling endlich für 50-60 Minuten in den Ofen bis er hart und braun geworden ist.

veganer Kärntner Reindling

14. Wenn du dir nicht ganz sicher bist, ob dein Reindling schon fertig ist, kannst du ihn mit einer Nadel anstechen. Bleibt kein Teig mehr an der Nadel beim Rausziehen kleben, kannst du deinen Reindling aus dem Ofen nehmen.

15. Entferne die Backform und lasse deinen ersten veganen Kärntner Reindling bevor du dich auf ihn stürzt gut abkühlen.

veganer Kärntner Reindling

Sprinzeminze-Tipp:

Ich habe beide Formen mit einem Durchmesser von 18cm verwendet. Die runde Kuchenform hat von der Größe her perfekt gepasst und der Kärntner Reindling ist beim Backen richtig schön und luftig aufgegangen.

Die Gugelhupfform war dann doch etwas zu klein für den Teig. Er ist zwar beim Backen ebenfalls noch etwas aufgegangen, jedoch ist er dadurch auch sehr zusammen gepresst worden. Geschmacklich war jedoch kein Unterschied zu erkennen, jedoch würde ich euch bei der Gugelhupfform die nächst größere empfehlen.

Du würdest gerne einmal einen Reindling selber machen, magst aber keine Rosinen? Kein Problem, nimm statt den Rosinen einfach eine Nussmischung. Das Rezept bleibt das Gleiche.

veganer Kärntner Reindling

Was isst man zum Reindling? Der Reindling wird bei uns in Kärnten traditionell zur Osterjause gegessen. Wir bestreichen ihn mit Butter, belegen ihn mit Schinken und Wurst wie ein Brot, essen ihn zum Kaffee oder Tee dazu, am Kirchtag auch zur Suppe, streichen Marmelade darauf (Erdnussbutter schmeckt ebenfalls) oder genießen ihn einfach pur.

veganer Kärntner Reindling

Du siehst also, der Kärntner Reindling passt zu allem. Finde am besten gleich selbst heraus wie er dir am besten schmeckt.

Napfkuchen Oesterreich Heimat

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Maria

Sieht superlecker aus ! Bin zwar nicht aus Kärnten, werde es aber es trotzdem demnächst ausprobieren ! lg, Maria

Dorie

Ich kenne das gar nicht, sieht aber richtig lecker aus!!
Liebste Grüße
Dorie

Conchita

Uh, der sieht super lecker aus, den würde ich jetzt so richtig gerne probieren 🙂
Und ich fand es super schön zu lesen, wie bei Euch Ostern gefeiert wird. Bei uns sind alle Traditionen irgendwie ausgestorben in der Familie und außer Weihnachten wird gar kein Fest mehr wirklich gefeiert. Umso schöner zu lesen, dass andere Familien noch Traditionen haben.

Tanja L.

Die Geschichte mit dem Palmenzweig finde ich toll! Ich bin evangelisch und wir haben so etwas nicht. Oder zumindest kenne ich eine solche Tradition gar nicht…

L♥ebe was ist

ohh das schaut ja super lecker aus! da ich nicht aus Österreich komme, ist diese Spezialität mir unbekannt, aber sie erinnert natürlich an Osterzopf, wie man ihn überall in verschiedenster Form kennt 🙂

ich mag diese Gebäckvarianten zur Osterzeit immer super gerne!

liebste Grüße auch,
❤ Tina

Anja

Eine tolle Idee auch ein traditionelles Rezept in einer veganen Variante anzubieten.
Liebe Grüße
Anja

Who is Mocca?

mmmh danke für das Rezept. Besonders über vegane Alternativen freue ich mich immer!

Liebe Grüße,
Verena

Ulrike

Liebe Iris
Tolles Rezept – die Fotos sind toll und auch das Rezept selbst klingt nicht abschreckend schwer … 😉
Was mir persönlich aber am besten gefällt: du hast das Rezept so schön „eingebettet“ in die Story – das ist echt ein Knüller !
Muss u (darf hoffentlich auch) ich mir für künftige Koch- und back-Posts merken …
alles liebe u Danke fürs weitergeben dieses feinen Reindling-Rezepts
Ulli
http://www.ullismulticoloredlittleworld.com

Ina

Interessant über eure Ostertraditionen zu lesen. Danke für das Rezept,das probier ich vielleicht Mal aus.

LG aus Norwegen
Ina